Die Social-Media-Strategie der AfD in der Behindertenpolitik – eine gefährliche Entwicklung
Wenn man sich anschaut, wie die AfD über Menschen mit Behinderung spricht – und vor allem, wie sie in sozialen Medien Stimmung macht –, dann geht es längst nicht mehr nur um „andere politische Meinungen“. Es geht um Menschenwürde. Um Rechte. Und darum, ob wir aus der Geschichte wirklich etwas gelernt haben.
Kritiker und Fachverbände sehen deutliche Parallelen zwischen der Rhetorik der AfD und der Sprache aus der Zeit des Nationalsozialismus, insbesondere bei Äußerungen zur Behindertenpolitik. Diese Vergleiche kommen nicht aus dem Bauch heraus, sondern stützen sich auf konkrete Muster von Abwertung und Ausgrenzung.
In der Schulpolitik etwa bezeichnet der AfD-Politiker Björn Höcke die schulische Inklusion als „Ideologieprojekt“, von dem das Bildungssystem „befreit“ werden müsse. Statt gemeinsamer Bildung fordert die Partei den Erhalt und Ausbau von Förderschulen – angeblich, um ein „leistungsorientiertes“ System zu schützen. Für viele von uns, die Inklusion als Menschenrecht verstehen, ist das ein Rückschritt in eine Zeit, von der wir dachten, sie hinter uns gelassen zu haben.
Die AfD nutzt das Thema Behinderung häufig, um eigene politische Schwerpunkte zu setzen, die sie als „echte Teilhabe“ verkauft:
- Arbeitsmarkt: Die Fraktion fordert Integration in den ersten Arbeitsmarkt und gleichzeitig eine Stärkung der Werkstätten für behinderte Menschen – ein Spannungsfeld, das oft mehr nach Kontrolle als nach echter Selbstbestimmung klingt.
- Barrierefreiheit: In Anträgen wird auf barrierefreies Wohnen und digitale Teilhabe verwiesen, während parallel die Regierung als „bürokratisch“ und „inkompetent“ angegriffen wird. Hinter der Fassade der „Verbesserung“ steht jedoch häufig eine Politik, die Inklusion als Belastung darstellt.
Kritik und Warnungen von Verbänden
Behindertenverbände warnen im Vorfeld der Wahlen 2026 mit ungewöhnlicher Deutlichkeit vor der AfD.
- Ausgrenzung statt Inklusion: Organisationen wie der Martinsclub Bremen bezeichnen die Partei klar als Gefahr für Menschen mit Behinderung, weil ihre Politik auf Abwertung und Ausschluss beruhe.
- Wahlprogramm-Check: Analysen von Organisationen wie Aktion Mensch zeigen, dass die AfD Inklusion als Belastung für das System darstellt – im direkten Widerspruch zur UN-Behindertenrechtskonvention.
Rhetorische Parallelen zur NS-Zeit
Kritiker und Fachverbände ziehen deutliche Parallelen zwischen der Sprache der AfD und der Rhetorik der NS-Zeit, wenn es um Menschen mit Behinderung geht.
- Abwertung als Belastung: Wenn Inklusion als „Ideologieprojekt“ dargestellt wird, das Schulen „belaste“, erinnert das an die NS-Ideologie, in der Menschen mit Behinderung als „Ballastexistenzen“ und Kostenfaktoren entmenschlicht wurden.
- Selektion und Exklusion: Die Forderung von Björn Höcke, das Bildungssystem von „Ideologieprojekten wie der Inklusion“ zu „befreien“, wird von Historiker:innen als Versuch gewertet, behinderte Kinder wieder aus dem gemeinsamen Lernen in Sondersysteme zu drängen. Das öffnet die Tür zu einer Gesellschaft, die Leben in „wertvoll“ und „weniger wert“ einteilt.
- Stigmatisierung durch Anfragen: Eine parlamentarische Anfrage der AfD, die nach einem Zusammenhang zwischen Inzucht bei Migranten und Behinderungen fragte, wurde von Behindertenorganisationen als rassistisch und eugenisch verurteilt – mit deutlichen Parallelen zur Erbhygiene-Ideologie der 1930er Jahre.
Angriffe in sozialen Medien
Die AfD nutzt soziale Medien – besonders TikTok – sehr gezielt, um Stimmung gegen Inklusion und Teilhabe zu machen. Dort werden Inhalte zugespitzt, emotionalisiert und oft bewusst verletzend formuliert.
- Ein bekanntes Beispiel: Ein AfD-Politiker bezeichnete Nachrichten in „Leichter Sprache“ – die für viele Menschen mit Lernschwierigkeiten wichtig sind – als „Nachrichten für Idioten“. Eine Formulierung, die nicht nur respektlos, sondern zutiefst entwürdigend ist.
- Das Ziel: Hilfen für Menschen mit Behinderung sollen lächerlich gemacht werden. Expert:innen sehen darin den Versuch, Empathie und Solidarität in der Gesellschaft zu schwächen.
- Trennung statt Miteinander: Inklusion wird als „Ideologie-Projekt“ diffamiert, das den Unterricht störe. Stattdessen fordert die AfD, dass behinderte Kinder wieder stärker in getrennte Förderschulen gehen. Kritiker sagen: Das ist nichts anderes als Ausgrenzung.
Warum ist das gefährlich?
- Schlimme Erinnerungen: Für viele Menschen – insbesondere für Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen – erinnert diese Sprache an die Zeit der Nationalsozialisten (1933–1945), in der kranke und behinderte Menschen als „Belastung“ für den Staat diffamiert und systematisch ermordet wurden.
- Gefahr für Rechte: Verbände warnen, dass die AfD die in der UN-Behindertenrechtskonvention verankerten Rechte aushöhlen oder zurückdrehen will – etwa das Recht auf inklusive Bildung und gleichberechtigte Teilhabe.
Zusammengefasst – eine persönliche Note
Die AfD nutzt soziale Medien, um gegen Inklusion zu hetzen und Hilfen für Menschen mit Behinderung als überflüssig, teuer oder lächerlich darzustellen. Behindertenverbände sagen klar: Diese Politik bedroht die Würde, die Sicherheit und die Rechte von Menschen mit Behinderung.
Als jemand, der sich mit Inklusion, Barrieren und Ableismus beschäftigt, kann ich diese Entwicklung nicht neutral betrachten. Wer Menschen mit Behinderung wieder an den Rand drängen will, greift nicht nur einzelne Gruppen an – er greift das Fundament einer demokratischen, menschenwürdigen Gesellschaft an.
Inklusion ist kein „Luxusprojekt“. Sie ist ein Menschenrecht. Und genau deshalb ist es so wichtig, hinzuschauen, zu widersprechen und solidarisch zu bleiben – besonders dann, wenn politische Kräfte versuchen, alte Muster der Entwertung wieder salonfähig zu machen.
AfD-Aussteiger packen aus | "Wir waren in der AfD" – Aussteiger berichten
🎥 Wir waren in der AfD - Aussteiger berichten / Doku / 90 Minuten
"Wir waren in der AfD" ist ...die Innensicht einer Partei, die sich in den vergangenen Jahren immer weiter radikalisiert hat und zugleich ein Film über die Mechanismen politischer Radikalisierung. In der Dokumentation kommen ausschließlich diejenigen zu Wort, die der Partei in den Anfangsjahren begeistert beitraten.
Sie beschreiben, was sie in der Partei gesucht und gefunden haben, aber auch, wie und warum sie mittlerweile ernüchtert und erschrocken über die Entwicklung der AfD ausgetreten sind. Wie haben sie den Radikalisierungsprozess der Partei erlebt? Wie haben Freunde und Familie reagiert? Wann und warum haben sie entschieden, der Partei wieder den Rücken zu kehren? Wie schwierig war der Prozess des Ausstiegs?
Es sind Nachinszenierungen, die dem Film sein optisches Gesicht geben und den Zuschauerinnen und Zuschauern einen einzigartigen Blick in die Gedankenwelt der AfD ermöglichen. "Wir waren in der AfD" ist nicht in erster Linie eine Chronik der Parteigeschichte, sondern die eine, intime Innensicht einer Partei, die seit über zehn Jahren die etablierten Parteien und das politische Establishment vor sich hertreibt.
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