Pamela Pabst (2025)
Zeit für einen tiefgreifenden Perspektivwechsel
In Deutschland leben rund 7,8 Millionen Menschen mit einer Schwerbehinderung. Diese Vielfalt an Erfahrungen, Kompetenzen und Perspektiven muss sich in der medialen Berichterstattung widerspiegeln – nicht als Randnotiz, sondern als selbstverständlicher Teil der öffentlichen Debatte. Nur so kann der öffentlich-rechtliche Rundfunk (ARD und ZDF) seinem Auftrag nachkommen, die Gesellschaft in ihrer gesamten Bandbreite abzubilden. Echte Vielfalt im Programm bedeutet, nicht die Zahl an „Schicksalsgeschichten“ zu erhöhen, sondern die fachliche Expertise von Menschen mit Behinderung sichtbar zu machen. Die Vision für den ÖRR der Zukunft ist eindeutig:
- Organisationen wie Leidmedien.de: Kritisieren diese Praxis seit Langem als „Inspiration Porn“ oder „Defizit-Blick“. Im Jahr 2026 ist die Geduld erschöpft. Die zentrale Botschaft lautet: Behinderung ist ein Merkmal, keine Berufsbezeichnung.
- Fachkraft statt Fallstudie: wir brauchen die blinde Juristin, die im „Presseclub“ oder in Nachfolgeformaten von „Anne Will“ das Grundgesetz analysiert oder komplexe Verfassungsfragen diskutiert. Ihre Sehbehinderung ist Teil ihrer Identität, aber nicht der Grund ihrer fachlichen Einladung.
- Weg vom Schicksal, hin zur Expertise: Wir brauchen den Physiker im Rollstuhl, der Quantencomputer verständlich erklärt, nicht wegen seiner Mobilitätshilfe, sondern aufgrund seiner wissenschaftlichen Exzellenz.
- Barrierefreiheit als Standard: Damit Experten mit Behinderung überhaupt teilnehmen können, muss die Infrastruktur passen. Der Sozialverband VdK fordert, dass digitale Mediatheken und Studios bis Ende 2026 komplett barrierefrei gestaltet werden.
- Inklusive Personalpolitik: Die Initiative Adelphi und ähnliche Projekte zur Inklusion in den Medien betonen, dass Vielfalt im Programm schon bei der Einstellung anfängt. Unterschiedlich zusammengesetzte Redaktionen schaffen automatisch vielfältigere Inhalte.
Fazit: Ein ÖRR für alle
Der Maßstab für einen zeitgemäßen öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Jahr 2026 darf nicht ausschließlich an Einschaltquoten gemessen werden. Wahrer Erfolg wird daran erkennbar sein, ob es gelingt, das Wissen und die vielfältigen Perspektiven von 7,8 Millionen Menschen als das einzubringen, was sie sind: ein wertvoller Beitrag zur Bereicherung des demokratischen Diskurses.
Videos von der blinde Rechtsanwältin Pamela Pabst
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Pamela Pabst | Die Rechtsanwältin
Pamela Pabst ist ein Andersmacherin!
„Die Andersmacher" ist ein Projekt, in dem sich Menschen mit Behinderung vorstellen und über ihr Leben sprechen. Weitere Porträts, Informationen und Zusatzmaterial gibt es auf http://www.die-andersmacher.org
Video: Jörg Farys | Die Projektoren
Redaktion: Silke Georgi, Svenja Heinecke | Sozialhelden e.V.
Aufnahmeleitung: Andi Weiland | Sozialhelden e.V.
Musik: Never give up – Peelkor
„Die Andersmacher” ist ein Projekt des Sozialhelden e.V.
http://www.sozialhelden.deMehr anzeigen