Ein Stethoskop
In Deutschland leben schätzungsweise über eine Million Menschen, die sowohl eine Behinderung als auch eine Migrationsgeschichte haben. In der öffentlichen Debatte sind sie jedoch kaum präsent. Wer beides vereint, erfährt oft intersektionale Diskriminierung – eine Form der Ausgrenzung, bei der sich Rassismus und Ableismus (Diskriminierung gegenüber Menschen mit Behinderung) nicht nur addieren, sondern gegenseitig verstärken.
Das Phänomen der doppelten Ausgrenzung
Für Menschen mit Behinderung und Migrationshintergrund ist der Alltag oft ein Spießrutenlauf. Während das deutsche Hilfesystem für Menschen mit Behinderungen hochkomplex ist, kommen für Migranten oft sprachliche Hürden und ein unsicherer Aufenthaltsstatus hinzu.
- Ableismus: Bewertet Menschen nach ihrer wirtschaftlichen Nutzbarkeit und körperlichen „Norm“.
- Rassismus fügt dem die Abwertung aufgrund der Herkunft hinzu.
Das Ergebnis: Betroffene werden oft weder von der Mehrheitsgesellschaft noch von ihren eigenen Communities vollständig inkludiert.
Zahlen und Fakten: Die statistische Unsichtbarkeit
Lange Zeit gab es kaum Daten zu dieser spezifischen Gruppe. Aktuelle Erhebungen aus den Jahren 2025 und der laufenden Betroffenenbefragung 2026 der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeichnen ein deutliches Bild:
- Erhöhtes Diskriminierungsrisiko: Während etwa 30 % der Menschen mit Behinderung ohne Migrationshintergrund von Diskriminierungserfahrungen im Gesundheitswesen berichten, steigt dieser Wert bei Betroffenen mit Rassismuserfahrung auf über 55 % (Datenbasis 2025).
- Arbeitsmarkt-Kluft: Menschen mit Behinderung und Migrationshintergrund sind laut Monitoring-Berichten von Anfang 2026 fast doppelt so häufig arbeitslos wie der Durchschnitt der Menschen mit Schwerbehinderung.
- Beratungsbedarf: Im Jahr 2024 und 2025 machten Anfragen zu Mehrfachdiskriminierung (Rassismus + Behinderung) rund 15 % aller Fälle bei den staatlichen Beratungsstellen aus – Tendenz steigend.
Diskriminierungserfahrungen in Deutschland 2025
- Bericht 2025/2026: Der aktuelle Jahresbericht dokumentiert, dass Anfragen zu „ethnischer Herkunft“ und „Behinderung“ die häufigsten Beratungsgründe sind. Besonders hervorgehoben wird die intersektionale Benachteiligung im Gesundheitswesen.
- Aktuelle Stellungnahmen (2025/2026): Berichte zur Situation in Sammelunterkünften für geflüchtete Menschen mit Behinderungen, die oft nicht barrierefrei sind und rassistische Gewaltstrukturen aufweisen.
- Das Projekt Crossroads: Das bundesweite Netzwerk Flucht, Migration und Behinderung ist ein unabhängiger, freiwilliger und kooperativer Zusammenschluss von Akteur*innen, die schwerpunkthaft an der Schnittstelle Flucht, Migration und Behinderung tätig sind.
- Problem im deutschen Gesundheitssystem (spiegel.de): Menschen mit Migrationsgeschichte erleben dort häufiger Benachteiligung – und es gibt konkrete Ansatzpunkte, wie Praxen und Kliniken das ändern können.
- Rassismus in der Medizin (im Ausland): „Es sollte normal sein, einen geschwollenen schwarzen Arm zu sehen“ – Auszug des Artikel (spiegel.de): Medizinstudent Malone Mukwende suchte in Lehrbüchern nach Krankheitssymptomen auf dunkler Haut – vergeblich. Also schrieb er selbst eins. Im Interview erklärt er, warum das Leben retten könnte.
- Ungleichbehandlung bei Medikamenten: Die Recherche belegt statistisch, dass Patient*innen mit Migrationshintergrund und/oder Behinderung im deutschen Gesundheitssystem oft anders behandelt werden als die Vergleichsgruppe ohne diese Merkmale.
- Schmerzmittel vs. Psychopharmaka: Ein zentrales Ergebnis ist, dass physische Schmerzen bei diesen Gruppen häufiger als psychosomatisch oder „theatralisch“ missverstanden werden (Stichwort: rassistische Stereotype). Dies führt dazu, dass sie seltener notwendige Schmerzmittel erhalten, während gleichzeitig schneller Psychopharmaka verschrieben werden.
- Systemische Hürden: Die Berichterstattung kritisiert, dass medizinisches Personal oft nicht ausreichend für intersektionale Diskriminierung sensibilisiert ist.
Zeitungen & Online-Magazine
- Der Spiegel – „Diagnose: Vorurteil“ (2025): Es kommen andere Leute, wenn auf einem Praxisschild nicht Müller oder Meier steht. Maryam Aalamian-Mattheis praktiziert als Urologin in Hamburg und sieht immer wieder, dass sich Menschen mit Migrationshintergrund erst viel zu spät behandeln lassen. (Auszug aus dem Artikel)
- Ungleichbehandlung bei Medikamenten: Die Recherche belegt statistisch, dass Patient*innen mit Migrationshintergrund und/oder Behinderung im deutschen Gesundheitssystem oft anders behandelt werden als die Vergleichsgruppe ohne diese Merkmale.
- taz – „Intersektionalität im Rollstuhl“: Regelmäßige Kolumnen von Aktivist*innen wie Raul Krauthausen oder Ashok-Alexander Sridharan, die die Verknüpfung beider Diskriminierungsformen thematisieren. Da zu folgender Artikel auf taz: Rollstuhlfahrer aus dem Zug gezerrt
Links zu den Quellen
- SPIEGEL Gesundheit – Rubrik Diagnose: Die gesammelten Artikel zur strukturellen Diskriminierung in der Medizin finden Sie unter spiegel.de/gesundheit/diagnose.
- Primärquelle (NaDiRa-Bericht 2025): Die Datengrundlage der Recherche, der
- taz: Regelmäßige Kolumnen von Aktivist*innen.
- Monitoringbericht des DeZIM-Instituts, ist hier abrufbar: NaDiRa Monitoringbericht 2025.
- Vertiefung Rassismus in der Medizin: Ein ergänzender Beitrag des SPIEGEL zum Thema struktureller Rassismus in Kliniken ist unter spiegel.de/wissenschaft/medizin/rassismus-in-der-medizin verfügbar.
TV & Mediatheken (Dokumentationen)
- ARD/ZDF Mediathek : „Die Unsichtbaren: Wenn Rassismus auf Ableismus trifft“ (Ausstrahlung Ende 2025) – Eine Reportage-Reihe, die Betroffene in ihrem Alltag zwischen Barrieren und Vorurteilen begleitet. Besonders eindringlich: Das Porträt eines schwarzen Rollstuhlfahrers bei der Wohnungssuche. (In der YouTube Playliste zu finden)
- ZDF Magazin Royale (Themenwoche Inklusion 2025): Eine satirische, aber datenbasierte Aufarbeitung der „statistischen Unsichtbarkeit“ in deutschen Behörden.
Behindert und unsichtbar? | Marlon erklärt Ableismus | 100percentme
“Struktureller Ableismus” nervt gewaltig – doch was bedeutet das überhaupt? Und warum sind Wisschenschaftler*innen mit Behinderungen für die Gesellschaft immer noch unsichtbar? Diesen Fragen geht “Doc ...Marlon” im XLab Forschungslabor der Uni Göttingen nach, wo er im Rahmen seines Stipendiums “Grips gewinnt” ein Schweineherz seziert. Im Gepäck Nährstoffpumpe und Rollstuhl – denn wenn es nach Marlon geht, sind Menschen mit Behinderungen in der Wissenschaft KEINE Seltenheit und NICHT unsichtbar.
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Behindert und unsichtbar? | Marlon erklärt Ableismus | 100percentme
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5 Vorurteile aus der Hölle über behinderte Menschen - Teil 2/2 | 100percentme
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